Im Vorfeld der Aktion der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS – www.seenotretter.de) „Werde Seenotretter für einen Tag“ habe ich ausführlich darüber erzählt, dass es seit Kindesbeinen an mein großer Traum war, einmal an Bord eines Seenotrettungskreuzers zu sein und das Leben als Seenotretter erleben zu dürfen.

Ich bewarb mich, bekam dank großflächiger Unterstützung insgesamt 526 Stimmen und landete damit unter den 10 Bewerbern mit der höchsten Stimmenzahl. Der Rest lag in den Händen des Schicksals, denn die Entscheidung fiel per Los:

Und dieses Los traf mich! In einem Meeting sitzend klingelte mein Telefon. Die Anrufer-ID kam aus Bremen, und mein Herz schlug schlagartig schneller. Ich hatte eine sehr nette Dame der Seenotretter am Ohr, die mich frage, wie denn meine Pläne für das letzte Augustwochenende aussehen würden. Bis ich wirklich realisiert hatte, dass mein Traum im Begriff war, sich zu erfüllen, dauerte es noch ein paar Stunden. Mit jedem folgenden Tag stieg die Vorfreude auf das, was mich erwarten würde, und auch das Kribbeln im Bauch in Bezug auf das mich erwartende Überlebenstraining.

Am 29. August wurde es dann ernst, und ich durfte gemeinsam mit zwölf Seenotrettern der DGzRS das Überleben-auf-See-Training der Firma OffTEC (www.offtec.de) in Enge-Sande absolvieren. Ziel war es, Fertigkeiten vermittelt zu bekommen, wie man im Notfall sicher ins Wasser kommt, sich als Gruppe auf See verhält, um zu überleben, sich fortbewegt und auch Rettungseinheiten auf sich aufmerksam macht. Ebenso wurde trainiert, Rettungsinseln zu wenden, in diese einzusteigen und von dort beispielsweise per Hubschrauber „abgeborgen“ zu werden – all dies bei über zwei Meter hohem Seegang, Sturm, Nebel und Nacht. Ein Überleben in einer solchen Extremsituation ist nur möglich wenn man zusammenarbeitet und als Team funktioniert. Mein Respekt vor den Profis der Seenotretter stieg durch das hier Erlebte noch einmal auf das Stärkste an. Keine Sekunde fühlte ich mich in ihrer Mitte unsicher. Selbst unter den widrigsten Umständen funktionierte alles Hand in Hand.

Nach dem Training ging es dann nach Laboe zum Seenotrettungskreuzer BERLIN, wo ich auf das herzlichste durch die Crew in Empfang genommen wurde. Aber noch ehe das Gepäck richtig an Bord war, gab es den ersten Einsatz: eine sogenannte technische Hilfeleistung. Eine Segelyacht mit Motorschaden hinter Kiel Leuchtturm sollte durch die BERLIN eingeschleppt werden – für die Seenotretter Routine, aber durchaus mit Gefahren verbunden, wenn nicht rechtzeitig Hilfe geleistet wird. Sofort war ich in das Bordleben eingebunden und durfte als erste Aufgabe mit der Wurfleine eine Verbindung zum Havaristen herstellen, über die die Schleppleine nachgeführt wird.

Die Nacht verbrachte ich an Bord der BERLIN, und der Sonntag begann mit normalem Bordalltag: gemeinsames Frühstück in der Messe und rein Schiff machen. Anschließend fuhren wir zu einer Mann-über-Bord-Übung mit dem Minensucher „Siegburg“ – wie passend, meine Heimatstadt. Eine ganz besondere Freude für mich war, dass die Crew mir am Sonntag zutraute, das Tochterboot STEPPKE des Seenotrettungskreuzers selbst zu fahren. Diese Fahrpraxis machte ich mit Maschinist Henry, der mir alles erklärte und zeigte. Unter seiner fachmännischen Anleitung fuhr ich verschiedene Manöver mit der STEPPKE. Für die an Bord befindlichen Kamerateams von NDR und ARD wurde die BERLIN (in Fahrt) mehrfach umrundet und ein Anlegemanöver gefahren. Dann ging es zurück in die Heckwanne, und Henry fragte, ob ich Lust hätte, auch dieses Manöver auszuprobieren: ’Was für eine Frage!

Er erklärte mir die Annäherung an den Seenotrettungskreuzer, die Herausforderungen mit dem Schraubenwasser der beiden Seitenmaschinen des Kreuzers und den Abläufen des „Einparkens“. Als Trockenübung fuhren wir mehrfach bei noch geschlossener Heckklappe auf ca. 2 Meter Entfernung an die BERLIN heran – dann wurde es ernst. Die Heckklappe wurde geöffnet, und diesmal galt es, den Bug des Bootes auf die unterste Rolle zu manövrieren, es auszurichten und im geeigneten Moment mit dem nötigen Schub in die Heckwanne hereinzufahren. Das Manöver gelang, und STEPPKE wurde durch den Schlitten zurück in „Parkposition“ gezogen.

Ein weiteres Highlight stellte die Bedienung der großen Löschmonitore dar. Per Joystick durfte ich die Wasserfontänen mit insgesamt 36.000 Litern Förderleistung pro Minute steuern.

Ich war sprachlos, wie viel ich mithelfen durfte, und fühlte mich aufgehoben wie in einer Familie. Als abends noch eine technische Hilfeleistung für eine auf Grund gelaufene Segelyacht mit Motorschaden anstand, gehörte ich mit zum Team auf der STEPPKE die zum Havaristen fuhr. Auch hier durfte ich aktiv mit Hand anlegen.

Zusammenfassend darf ich sagen, dass ich sehr viel gelernt und tiefe Einblicke in die Arbeit der Seenotretter erhalten habe. Einblicke, die mich tief beeindruckt haben. Die Rettungsleute fahren immer freiwillig heraus, freiwillig bei jedem Wetter. Sie helfen – uneigennützig, professionell und schnell. Wenn man bedenkt, dass die DGzRS keinen Cent aus Steuergeldern beansprucht, sondern lediglich aus Spenden und freiwilligen Zuwendungen finanziert wird, so können wir alle auf diese Gesellschaft stolz sein.

Für mich kann ich nur sagen: Alle meine Vorstellungen und Erwartungen an das Wochenende mit der DGzRS wurden maßlos übertroffen. Entsprechend gerne erzähle ich auch von diesem Wochenende,… und ich würde mich für die Seenotretter freuen, wenn vielleicht der eine oder andere Spenden-Euro zusammenkommt, denn jeder von uns kann mal in die Lage kommen, dass er auf die Hilfe der Seenotretter angewiesen ist… https://spenden.seenotretter.de/

Vielen Dank an alle, die mich mit Ihrer Stimme unterstützt haben und vielen Dank an die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger – Die Seenotretter – dafür, dass mein Kindheitstraum wahr werden konnte! Allzeit eine gute und gesunde Heimkehr!

Vielen Dank an alle, die mir geholfen haben, in dem sie für mich gevotet haben. Und ein ganz besonderer Dank geht an Christian Stipeldey, Nora Jäger, Michael Müller, Henry Hildebrandt, Karl-Heinz Bittner, Peter Klink & Madeline Speck.

Ebenso vielen Dank an Wolfgang Raach und alle, die beim Überlebenstraining in Enge-Sande dabei waren.

Danke, für viele Eindrücke und alles was ich lernen konnte, aber auch für die ruhigen Minuten im Vorfeld, am Seenotrettungskreuzer und im Hafen.

Bilder: Seenotretter & Thomas Stasch