Im Bereich Autofahren weiß jeder – auch wenn nicht jeder eines absolviert hat – dass es Fahrsicherheitstrainings gibt, während das im Wassersportsektor eher weniger präsent ist. Skipper- und Schlechtwettertrainings werden gerne gebucht, aber was ist, wenn einmal die Situation kommt, die niemand erhofft?
2016-02-27 09.45.06
Mit dieser Frage beschäftigt sich ein Sicherheitstraining der Segelkameradschaft Unterbacher See (SKU) aus Düsseldorf in enger Zusammenarbeit mit dem lokalen Bootsausrüster Lenz-Rega-Port.
In einem eintägigen Training werden Teilnehmer mit Theorie und Praxis auf extreme Situationen vorbereitet. Das Sicherheitstraining ist ein Teil eines Zertifikatslehrgangs nach ISAF. Wer zusätzlich noch einen zweiten Tag mit Brandbekämpfung und Pyrotechnik bucht, erhält eine ISAF-Certified Bescheinigung. Das Bootshandel-Magazin hat aktiv einmal an dem Sicherheitstraining teilgenommen.
Der Veranstaltungsort war ein Schwimmbad in Düsseldorf, wo sich rund 60 Teilnehmer versammelten und gegen 9:00 Uhr die Kursunterlagen in Empfang nahmen. Vormittags standen verschiedene Themen mit zwei Referenten der SKU auf dem Programm. Insbesondere wurde hier ausdrücklich darauf hingewiesen, dass man als Skipper die Verantwortung für Crew und Schiff trägt und dies immer im Hinterkopf behalten sollte.
Verschiedene Fallbeispiele und Tipps für das Verhalten in kritischen Situationen wurden vermittelt, wobei auch immer die Diskussion mit dem Teilnehmerkreis ausdrücklich erwünscht war, um Erfahrungen und auch Fachwissen (wie z.B. von einem teilnehmenden Mediziner) mit in die Runde einfließen zu lassen.
Im Vordergrund standen hier neben den seglerischen Dingen auf Fragestellungen, wie man Personen aus dem Wasser heraus bekommt und was man bei Unterkühlung, bzw. Erfrierungen beachten muss, um die Betroffenen nicht noch zusätzlich zu gefährden.
Nach der Mittagspause wurde der letzte allgemein-theoretische Teil behandelt, eh der lokale Yachtausrüster Lenz-Rega-Port mit einer Vorstellung der Rettungsmittel wie Schwimmwesten und Rettungsinseln begann. Ein kleines Highlight war dabei sicherlich auch die „Verkostung“ der in Rettungsinseln verpackten Essens-Not-Ration.
Hiernach wurde die Location gewechselt: Es ging vom Unterrichtsraum in das Hallenbad hinein – aber bitte nicht in Badehose oder Bikini, sondern im Ölzeug. Das was vorher theoretisch erläutert wurde, sollte auch praktisch ausprobiert werden.
Die Teilnehmer durften in einzelnen Gruppen in vollem Ölzeug mit Automatikweste ins Becken springen, um am eigenen Leib zu erfahren, wie es sich anfühlt, wenn eine Weste öffnet und wie die Bewegungsfähigkeit in vollen Segelsachen ist. Diese praktische Übung zeigte schon, wie wichtig der korrekte Sitz von Rettungswesten ist und, dass Schrittgurte den Sitz deutlich stabilisieren.
Als nächstes Stand das Besteigen einer 6-Personen-Rettungsinsel auf dem Programm. Eine Aufgabe, die Zusammenarbeit im Team erforderte und in einer „kuschelig-nassen“ Atmosphäre in der Insel endete, die im Anschluss auch ordentlich verlassen werden musste.
In einem zweiten Becken wurde das Aufwinschen von Personen aus dem Wasser zu einem Helikopter geprobt, wobei der Hubschrauber durch eine Umlenkrolle am Sprungturm und die Winde durch jeweils vier Teilnehmer simuliert wurde. Hinzu kamen praktische Übung zum Anlegen von Palstegs im Wasser und viele viele Fragen, die durch die kompetenten Übungsleiter beantwortet wurden.
Gegen 18:00 Uhr endete das Sicherheitstraining und in einigen Gesichtern sah man die Anstrengung des Tages gespielt. Allen ist klar geworden, dass das Verlassen des Bootes sicherlich die letzte Möglichkeit sein muss.
Fazit: Es empfiehlt sich, sich mit der Fragestellung „Was ist im Notfall zu tun“ zu befassen und vielleicht selbst einmal ein Sicherheitstraining zu buchen. Nach einem solchen Trainingsprogramm ist man sicherlich kein Profi für Extremsituationen, aber man hat einen Eindruck gewonnen, welche Situationen es geben kann und ist in der Lage sich damit gedanklich besser auseinander zu setzen und im Notfall darauf vorzubereiten. Daumen hoch!