Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ist auf Android und IOS mit einer Anwendung an den Start gegangen, die für jeden Wassersportler zur Pflicht werden sollte: SafeTrx – denn SafeTrx kann Ihr Leben retten!
Um SafeTrx zu benutzen muss man sich mit seinen Daten anmelden. Zu diesen Daten gehört unter anderem auch mindestens ein Notfallkontakt. Öffnet man die App nach erfolgreicher Anmeldung zum ersten Mal hat man eine übersichtliche Auswahl mit vier Punkten auf dem Startbildschirm:
• Explorer – Hier wird über Google Maps angezeigt wo genau man sich aktuell befindet
• Routenplan-Modus
• Nur-Aufzeichnen-Modus und
• Hilferuf
Fangen wir beim letzten Punkt an: dem Hilferuf, der auf jeder Seite der App durch längeres Berühren des Bildschirms ausgelöst werden kann. Es erscheint ein Screen, welcher mir die aktuelle Position, den Kurs und die Geschwindigkeit angibt. Zusätzlich habe ich die Möglichkeit einen Notfall (rote Taste) einzuleiten oder um technische Hilfeleistung (grüne Taste) zu bitten. Beide Auswahlpunkte laufen im MRCC der Seenotretter in Bremen auf. Die Unterscheidung zwischen beiden Punkten hilft den Seenotrettern die Lage einzuschätzen. Gleichzeitig mit der Auslösung wird auch die aktuelle Position übertragen (sofern eine Netzabdeckung für Internet vorhanden ist).

Für den Wassersportler ist der Routenplan-Modus sicherlich der mit Abstand wichtigste. Hiermit wird ein sogenannter Überfahrtsplan erstellt. Hierzu geben Sie Infos zu Ihrem Fahrzeug (gerne mit Bild) ein, legen fest wie viele Personen an Bord sind und planen Ihre erwartete Ankunftszeit (ETA – Estimated Time of Arrival). Ebenso müssen Sie einen Notfallkontakt auswählen. Dies ist die Person, die automatisch informiert wird, wenn das Ziel nicht im Zeitplan erreicht wird.
Weiterhin legen Sie Ihren Ausgangspunkt, einen Wegpunkt (als Orientierung für das MRCC, falls unterwegs keine Netzabdeckung gegeben ist) und das Ziel fest.
Wenn Sie nun den Törn starten, wird in regelmäßigen Abständen (abhängig vom Ladestand Ihres mobilen Endgeräts) die aktuelle Position übertragen. Im Rahmen des sogenannten Routenplan-Eskalationsprozesses erhalten Sie nun 15 Minuten vor dem Erreichen Ihrer eingestellten ETA eine Nachricht „Ihre Ankunft ist in 15 Minuten überfällig. Bitte SafeTrx-Fahrt verlängern oder beenden.“ Reagieren Sie nicht auf diese Nachricht so erhalten Sie zur ETA eine erneute Information durch die App, sowie zusätzlich eine SMS. Sie werden darauf aufmerksam gemacht, dass in 15 Minuten die Notfallkontakte benachrichtigt werden, sollten Sie nun nicht reagieren. Bleibt diese Reaktion tatsächlich aus, so erfolgen zur ETA+15 Minuten parallel drei Dinge:
1. Sie erhalten aus der App die Mitteilung, dass die Fahrt abgelaufen ist und die Notfallkontakte benachrichtigt werden.
2. Sie erhalten eine SMS, die Sie über die Überfälligkeit informiert.
3. Die hinterlegten Notfallkontakte erhalten folgende Nachricht:
„Dies ist eine automatische SMS der DGzRS-SafeTrx-App. Nehmen Sie Kontakt mit Ihr Name auf, da die Ankunft im Hafen seit 15 Min. überfällig ist. Sie wurden von (Wassersportler selbst) als Kontakt angegeben. Im Notfall erreichen Sie die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger unter Tel.nr. +49(0)421-536870. Mit freundlichen Grüßen, DGzRS – Die Seenotretter.“
Nun sollten die Notfallkontakte Sie, oder einen der Mitreisenden versuchen zu erreichen, um die Situation zu klären. Besteht Grund zur Annahme, dass etwas passiert ist, sollten die Notfallkontakte die Seenotretter informieren.
Durch das MRCC können die aufgezeichneten Trackdaten ausgewertet und eine gezielte Suche eingeleitet werden.
Im „Nur-Aufzeichnen-Modus“ entfällt das Eskalationsverfahren. Es eignet sich allerdings ideal für beispielsweise Angeltouren bei denen die Route nicht so klar ist, aber feststeht, dass man abends wieder im Ausgangshafen ankommen wird. In diesem Modus wird ebenfalls die Strecke mitprotokolliert und regelmäßig zum Server übertragen. Wird ein Notfall gemeldet –durch Angehörige, Beobachtungen oder auf anderem Wege – so kann anhand des Streckenverlaufs auch wieder eine gezielte Suche gestartet werden. Eine automatische Notfallmeldung wird in diesem Modus allerdings nicht generiert.

Neben diesen Grundfunktionen bietet die App weitere Features:
• Erstellung einer Checkliste für den Fahrt-Antritt
Aus einer großen Auswahl an Menüpunkten und eigenen Eintragungen können Sie sich eine persönliche Checkliste zusammenstellen, die vor Fahrtantritt durchgegangen werden sollte. Dies hilft, nichts zu vergessen.
• Informationen über das lokale Wetter
Die App bietet Ihnen den aktuellen Seewetterbericht des DWD, so dass Sie auf einen Blick wissen, welches Wetter sie erwartet.
• Übersicht über DGzRS-Stationen in der Nähe
Sie sehen die nächstgelegenen Stationen der Seenotretter
• Vielfältige Sicherheitsinformationen
Alles was Sie aus der Broschüre „Sicher auf See“ kennen finden Sie auch elektronisch in der App hinterlegt, so dass sie zu einem guten Nachschlagewerk geeignet ist.
Achtung: Eines sollten Sie beachten. Starten Sie die App noch an Land, wenn Sie Netzabdeckung haben. Im Augenblick des Starts wird eine Verbindung zum Server benötigt, um Fahrten, etc. überhaupt initialisieren zu können. Danach sollte die App nicht geschlossen werden.

Diese App ersetzt keines der anderen Sicherheitssysteme an Bord. Sie dient als zusätzliche Sicherheit. Denn für die Nutzung der App, benötigen Sie eine Netzabdeckung Ihres Mobilfunkbetreibers. Nichts desto trotz hilft SafeTrx im Falle einer Suche deutlich. Durch die aufgezeichnete Strecke (ggf. bis zum Verlassen der Mobilfunkabdeckung) kann ein Suchgebiet deutlich besser eingegrenzt und damit die Chancen auf Auffindung erhöht werden.
Die Informationen zum genutzten Fahrzeug helfen den Seenotrettern die Gesamtsituation besser zu beurteilen, so ist es beispielsweise ein Unterschied, ob Sie mit einem Stahlrumpf im Seegatt mit Grundseen zu kämpfen haben, oder ob es eine moderne GFK Segelyacht mit Kielbombe ist. Das Foto des Fahrzeugs kann die Suchmannschaften deutlich unterstützen um eine schnellere Identifizierung zu ermöglichen.
Weiterhin werden klassische Fehler bei einer Meldung über die App vermieden. So hat sich in der Praxis herausgestellt, dass unter dem psychischen Druck in einer Notsituation oft auch die Positionsangaben falsch mitgeteilt werden. Mit der automatischen Übermittlung ist dieser Fehler ausgeschlossen.
Aber auch für Angehörige kann diese App einen Mehrwert bieten. So können Sie als Benutzer Ihre persönlichen Zugangsdaten zu SafeTrx beispielsweise Ihrem Partner mitteilen und dieser kann auf http://safetrx.seenotretter.de den Törnverlauf mitverfolgen.

Insgesamt eine sehr gelungene Anwendung für die Sicherheit auf See –eine kostenlose App, für Ihre Sicherheit. Ich persönlich bin der Meinung: Die App ist eine Sonderspende an die Seenotretter wert, denn diese Gesamtzahl der Funktionalitäten ist beeindruckend und gut kombiniert. Danke, Seenotretter!
Zur Veranschaulichung, wie die App in der Praxis funktionieren könnte habe ich einen frei erfundenen Seenotfall konstruiert:
„Wie so oft verabrede ich mich mit einem sehr guten Freund in Harlesiel für einen Wochenend-Törn. Das Ziel unserer Fahrt soll der Yachthafen von Langeoog sein. Der Wetterbericht verspricht schöne 5 Beaufort aus nordwestlicher Richtung, was unserem Fahrtziel sehr entgegen kommt. Unsere Familien wissen, dass wir uns (meist) irgendwann nach der Ankunft melden. Die geplante Fahrstrecke beträgt ca. 20 sm und wir werden mit einem GFK-Boot mit ca. 80 cm Tiefgang durch das Wattenmeer unterwegs sein. Soweit die Planung!

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Nach dem Auslaufen merken wir, dass wir noch ein bisschen zu früh dran sind, um direkt hinter dem Steinwall das Wattenhoch in Richtung Spiekeroog/Langeoog zu queren und bleiben daher im Fahrwasser Richtung Wangerooge. Wir wollen nahe ans Seegatt heran, um von da aus Spiekeroog zu passieren und den Kurs auf das Fahrtziel aufzunehmen. Hier passiert gegen 16:00 das Unglück! Eine Grundsee schlägt ein Leck, das Boot nimmt Wasser, die Elektrik ist ausgefallen und das einzige Handy über Bord. Wir treiben mit einem leckgeschlagenen Boot kurz vor dem Seegatt. Die Tide kippt und zieht uns in Richtung offenes Meer – ohne große Chance auf Alarmierung.
Als wir gegen 22:00 Uhr noch immer nicht bei unseren Frauen angerufen haben, werden diese nervös und informieren die Seenotleitung in Bremen. Die Station Langeoog wird informiert und schließlich bricht die Casper Otten zu einer Suchfahrt auf. Bis mehrere Einheiten dazu gezogen werden vergeht eine weitere Weile. Wir treiben inzwischen hilflos in einer Rettungsinsel auf der offenen See.
Wie kann SafeTrx helfen? SafeTrx ist eine App zur Erhöhung der Sicherheit an Bord. Sie ergänzt die anderen Sicherheitseinrichtungen, d.h. sie ist kein Allheilmittel. In der geschilderten Situation hätte „die Seenotretter-App“ unterstützen können. Über den Routen-Modus hätte man Langeoog als Zielhafen mit einer ETA von 19:00 Uhr festgelegt. Das Mobiltelefon hätte unterwegs den Streckenverlauf in regelmäßigen Abständen übertragen – bis zum Unglück um 16:00 Uhr. Um 19:00 Uhr wäre bereits die Rettungskette in der Form angelaufen, als dass die Ehefrau eine SMS bekommen hätte, dass das Boot noch nicht am Ziel sei und sie dringend versuchen solle Kontakt zur Crew aufzunehmen. Um spätestens 19:30 wäre dann das MRCC alarmiert gewesen und hätte anhand des gefahrenen Tracks die entsprechenden Rettungseinheiten auf das offene Meer geschickt. Eine Suche in der Nähe von Langeoog wäre damit hinfällig geworden. Der Zeitgewinn: Mindestens 3 Stunden. Drei Stunden die über Leben und Tod entscheiden können!“

SafeTrx ist auch bei anderen Seenotrettungsorganisationen, wie z.B. in Norwegen, Großbritanien und den Niederlanden mit Erfolg im Einsatz.
Die Seenotretter-App gibt es für Android (ab Version 4.0) und IOS (an Version 7.0). Sie finden Sie im Playstore, bzw.bei iTunes.